Miro und Saskia L. (Namen geändert) sind seit 12 Jahren verheiratet.
Zu Beginn der Paartherapie berichten sie davon, dass Frau L. durch einen anonymen Anruf erfahren hat, dass ihr Mann sie seit über einem Jahr mit einer anderen Frau betrügt. Als sie ihn damit konfrontiert, gibt er zu, sich häufiger mit einer ehemaligen Arbeitskollegin getroffen zu haben. Erst nach und nach kommt das ganze Ausmaß der Geschichte zutage.

Saskia steht seitdem die ganze Zeit unter Strom und kann nachts kaum noch schlafen. Es quälen sie vor allem Fragen danach, was genau wohl zwischen Miro und dieser anderen Frau passiert ist. Sie versucht genau zu rekonstruieren, wann er welche Bemerkungen im letzten Jahr gemacht hat, die ihr vielleicht ein Hinweis hätten sein können. Wo sie zu welchem Zeitpunkt war, als die beiden sich getroffen haben. Besonders verletzt sie die Vorstellung, dass er sie die ganze Zeit belogen hat und sie im Glauben gelassen hat, dass alles in Ordnung sei. Zudem fragt sie sich, was ihm genau an ihr gefallen hat. Daher hat sie in den letzten Wochen immer wieder versucht, Informationen über diese ehemalige Kollegin herauszufinden und hat deshalb sehr viel Zeit im Internet mit Recherchen verbracht. Sie fragt Miro immer wieder, was er genau an dieser anderen Frau fand und was er mit ihr erlebt hat. Ihre Selbstzweifel werden immer stärker und zusätzlich macht sie sich Vorwürfe, dass sie so gutgläubig gewesen ist. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Frage, ob sie dem Ganzen noch eine Chance geben könnte, da sie sich ein Leben ohne Miro kaum vorstellen kann und trotz allem immer noch Gefühle für ihn hat. Außerdem hat sie Angst davor, niemals mehr sicher sein zu können. Ihr Vertrauen ist völlig zerstört. Fragen, ohne Antworten dröhnen in ihrem Kopf:
Kann ich ihm jemals wieder vertrauen? Woher weiß ich, dass das nicht nochmal passiert? Sind ihm meine Gefühle gleichgültig? Warum habe ich es nicht früher bemerkt? Kann ich mir selbst noch vertrauen?
Miro hingegen kann sich sein eigenes Verhalten kaum selbst erklären. Sein schlechtes Gewissen hat er während der Treffen mit der anderen Frau innerlich beiseitegeschoben. Zu sehen, wie Saskia jetzt darunter leidet, löst in ihm starke Schuldgefühle aus. Gleichzeitig belasten ihn die wiederholten Nachfragen von Saskia extrem, die immer wieder wissen will, was genau mit der Anderen war. Er hat Angst, dass alles, was er sagt, die Situation nur noch schlimmer machen könnte. Wenn er es sich genauer durch den Kopf gehen lässt, war es eigentlich gar nicht die Arbeitskollegin selbst, die ihn so fasziniert hat, sondern das Gefühl von Lebendigkeit, das er so lange nicht mehr gespürt hatte. Er hatte die ganze Zeit gehofft, dass er irgendwann einfach genug haben würde und sich wieder auf die Beziehung mit Saskia konzentrieren könnte. Gleichzeitig war es wie ein Sog, der ihn immer wieder zu der Anderen gezogen hat. Das Gefühl von Hilflosigkeit, wenn Saskia ihm Vorwürfe macht und die Angst davor, dass sie sich trennen, sind sehr groß. Er hofft sehr, dass die Selbstvorwürfe irgendwann wieder weniger werden und dass es noch eine Lösung für sie beide gibt.
Mit der Paartherapie haben Saskia und Miro einen neuen Zugang zueinander gefunden.
Es ist beiden gelungen, sich über die Gründe der Untreue – ohne ständige Vorwürfe – zu unterhalten und das eigene Verhalten zu erklären. Für Saskia ist besonders wichtig zu spüren, dass Miro ihre Gefühle versteht und dass es ihm wirklich leidtut, sie verletzt zu haben. Beiden wurde klar, wie wertvoll ihre Beziehung ist. Die Paartherapie bringt die Gründe der Krise ebenso ans Licht, wie die Lösungen. Miro kann die Angst, seine Frau zu verlieren jetzt ebenso beleuchten wie sein Verlangen nach inniger Körperlichkeit.

