Wir reden nur noch aneinander vorbei

Ein typisches Problem, mit dem Paare in die Beratung kommen, besteht im beidseitigen Gefühl, vom anderen nicht verstanden und gesehen zu werden.

„Das habe ich doch gar nicht gesagt“ oder „Du hörst mir überhaupt nicht zu“ sind Sätze, die sehr häufig fallen. Dahinter stecken Mechanismen in der Kommunikation, die sich im Laufe der Zeit immer mehr eingeschlichen haben.

Am Anfang einer Beziehung ist das Interesse daran, die Welt des anderen kennen zu lernen, riesig groß. Es werden interessiert Fragen gestellt und aufmerksam zugehört. Manche Paare verbringen in der Kennenlernphase ganze Nächte damit, sich miteinander auszutauschen und können nicht genug davon bekommen, noch mehr vom anderen zu erfahren. Mit der Zeit und den Erfahrungen, die man miteinander als Paar macht, verblasst diese Neugier auf den anderen immer mehr. Das anfängliche Interesse weicht dem Gefühl, im Grunde genommen bereits alles zu wissen, den anderen in-und auswendig zu kennen.  Man glaubt, ziemlich genau einschätzen zu können, wie der andere „tickt“ und wie er/sie wohl denkt. Entsprechend werden das Nachfragen und der Austausch immer weniger.

Natürlich können wir nicht jeden Tag auch nach Jahren unseren Partner/ unsere Partnerin in jeder Situation neu kennen lernen und neu befragen. Wenn es allerdings zu immer mehr Missverständnissen kommt, Probleme in der Kommunikation immer größer werden und Dialoge sich mühselig wiederholen, kann es daran liegen, dass das Paar sich gegenseitig in eine gedankliche Schublade gesteckt hat.  

Wie zeigt sich das in der Kommunikation und was bedeutet das für die Beziehung?

Vorurteile und Interpretationen. Gerade in Konfliktfällen werden so dem anderen schnell einige vermeintlich typische Attribute, Reaktionsweisen und Gedanken zugeschrieben und vorgeworfen. Aussagen werden interpretiert, ohne zu hinterfragen, ob sie überhaupt so gemeint waren.

Abwehr. Statt zuzuhören, was der andere zu sagen hat, ist man gedanklich schon mit einer Antwort beschäftigt. Zum Beispiel, um dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein paar Stichworte reichen aus, um gleich zu wissen, worum es dem anderen geht.

Unaufmerksamkeit. Die Aussagekraft von dem, was gesagt wird, geht dabei völlig verloren. Feinheiten in den Formulierungen, vielleicht auch Annäherungen des anderen an die eigene Sichtweise werden dadurch gar nicht mehr wahrgenommen. Oft wird in solchen Dialogen nur ein Teilaspekt einer Aussage aufgegriffen und darauf geantwortet, und die wesentliche „Message“ im Ganzen gar nicht gehört.

Frustration. Das Gefühl, nicht verstanden zu werden, ist extrem frustrierend und enttäuschend. Um sich geliebt und gesehen zu werden ist der gegenseitige Austausch und das Gefühl, verstanden zu werden, essenziell. Bei wiederholten Enttäuschungen leidet die Beziehung zunehmend.  

Stagnation. Wenn der Versuch, ins Gespräch zu kommen, immer wieder scheitert, kann das auf beiden Seiten zu innerlicher Resignation führen. Schlimmstenfalls führt das dazu, dass fast gar nicht mehr miteinander geredet wird.  

Wie kann eine Paartherapie dem entgegenwirken?

In einer Paartherapie kann man lernen, wieder einander zuzuhören. Unter Anleitung einer neutralen Person können die Mechanismen aufgedeckt werden, die sich in der Kommunikation des Paares eingeschlichen haben und die für das gegenseitige Verständnis hinderlich sind.

Habe ich wirklich verstanden, was mein Gegenüber sagen wollte? Wann höre ich schon fast automatisch weg? Welche Vorurteile haben wir beide dem anderen gegenüber? Wie können wir wieder offener füreinander werden? Was können wir aktiv tun, um dem anderen das Gefühl zu geben, verstanden und gehört zu werden?    

Mit solchen und weiteren Fragen kann in einer Paartherapie wieder neue Wege der Kommunikation und des Zuhörens gefunden werden. Ein Ziel kann sein, das Interesse am anderen nicht nur neu wieder aufleben zu lassen, sondern auch dauerhaft eine neue Kultur des gegenseitigen und lebendigen Austauschs zu finden.    

Wichtig: Wenn unser Gegenüber sich darüber beschwert, dass ihm/ihr nicht zugehört wird, könnte es sein, dass genau das zutrifft! Wenn Sie sich darin wiedererkennen und nicht wissen, wie Sie das ändern können, nehmen Sie gern Kontakt auf. Ich unterstütze Sie gerne.